Im Namen des Erhabenen  
  Interview mit Ala Mahmud
 

Muslim-Markt interviewt 
Ala Mahmud - Fatima-Zahra-Mädchengruppe in Hannover

30.12.2005

Ala Mahmud (Jahrgang 1985) ist geboren in Basra (Irak) und absolvierte bis zur sechsten Klasse ihre Schule im Irak. Aufgrund der kritische Lange im Irak verließ ihre Familie den Irak und kam nach Deutschland.

Nach der Einreise 1998 wurde sie in die siebte Klasse einer Hauptschule in Hannover versetzt. Zwei Jahre später wechselte sie auf die Realschule, um im Anschluss durch einen weiteren Wechsel auf das Gymnasium das Abitur zu absolvieren und ein Studium im Fach Informatik an der Universität Hannover anzustreben, zu dem sie die Zulassung erhalten hat. Seit 2003 leitet Ala Mahmud die Fatima-Zahra-Mädchengruppe in Hannover.

MM: Sehr geehrte Schwester Ala Mahmud, wie war es für Sie als junges Mädchen ihre Heimat zu verlassen und nach Deutschland zu kommen?

Mahmud: Es war sehr schwer für mich meine Heimat zu verlassen, wo ich aufgewachsen bin und zur Schule gegangen bin. Ich hatte dort meine Freunde und meine Verwandten , meine ganze Familie ( Tanten und Onkel usw.); alle musste ich leider verlassen. Gott sei Dank, ich war zu klein und konnte alles schnell verarbeiten. Aber trotzdem, es war sehr schwer all das aufzugeben und in ein Land zu kommen, in dem ich nicht einmal die Sprache kenne oder die Kultur und Bräuche. Es war letztendlich für mich wie eine neue Geburt mit neuer Sprache, neuer Schrift (na ja, ich hatte immer von recht nach links geschrieben und jetzt musste ich von links nach rechts schreiben), neuer Kultur, neuen Mitschülern und vieles andere Neue mehr. Ich danke Gott für diese Erfahrung, denn Dankbarkeit brachte meine Familie immer weiter.

MM: Wie kamen Sie auf die Idee, eine Mädchengruppe verantwortlich zu begleiten?

Mahmud: Es gab bei uns in Hannover keine schiitische Mädchengruppe, die sich regelmäßig trifft, ich kannte viele Mädchengruppen (aber nicht schiitische), und ich wollte in einer Gruppe sein, in der es vor allem um die Ahl-ul-Bait, also die 14 Reinen des Prophetenhauses geht, deshalb habe ich mich entschlossen eine Mädchengruppe zu gründen.

Es hat nicht lange gedauert, bis wir uns regelmäßig getroffen haben und ein ausführlichen Programm hatten, mit Qur'an und Tafsir (Interpretationen des Heiligen Qur'an) und Vortrag (Haupt- und Nebenvortrag) mit Pausen und jeden Monat haben wir auch etwas außerhalb der Sitzung unternommen (z.B. Ausflüge und Vieles mehr).

MM: Wie setzt sich Ihre Mädchengruppe in Hannover zusammen?

Mahmud: Wir sind eine echte Mulitikulti-Gruppe, ein Mischmasch aus verschieden Kulturen und Ländern: Irak, Türkei, Libanon, Afghanistan, Iran, Aserbaidschan. Was uns verbindet ist der Islam. Gemeinsam verständigen wir uns in der Sprache des Landes, also Deutsch.

MM: Was sind die Inhalte Ihrer Arbeit?

Mahmud: Das ist sehr unterschiedlich. Die ersten zwei Jahre haben wir viele Themen behandelt wie z.B. hauptsächlich Ahl-ul-Bait und die Kenntnis ihrer Lebensläufe. Jetzt haben wir unser Programm erweitert und in drei Blöcke aufgeteilt:

  • Muslim sein in der westlichen Gesellschaft
  • Ahl-ul-Bait (in Qur'an, Hadith)
  • Tag der Auferstehung

mit viele Unterthemen und nebenbei Vorträgen. Wir werden Inschaallah (so Gott will) viele Aktivitäten machen, wie Ausflüge, gemeinsam Grillen, Städte besichtigen andere Mädchengruppen besuchen usw.

MM: Wie kommen die jungen Schwestern mit der Tatsache zurecht, ein Hidschab in einer westlichen Gesellschaft zu tragen?

Mahmud: Wir kommen Alhamdullillah (Gott sei Dank) ganz gut mit unser Hidschab zurecht, denn wir können mit unser Hidschab zur Schule gehen, studieren und arbeiten. Nur die verbreiteten Vorurteile über das Hidschab stören uns sehr, denn wir alle tragen den Hidschab um Gottes Zufriedenheit zu erlangen und keine von uns wird in irgendeiner Weise gezwungen, den Hidschab zu tragen. Alle haben es freiwillig angelegt. Und keine von uns versucht ihre Glatze oder irgendetwas anderes unter dem Hidschab zu verstecken. Wir fühlen uns wohl damit. Wir versuchen immer wieder unseren Mitmenschen klar zu machen, dass wir frei waren und sind, als wir uns für den Hidschab entschieden haben und kein Vater oder Bruder war hinter uns her, um es uns aufzuzwingen! Wir halten an unserem Hidschab fest, genau wie an den Gebeten und anderen Gottesgeboten. Das alles tun wir für Allah allein.

Manche von uns versuchen immer neue Farben und Muster zu tragen, um den Leute zu zeigen, dass auch Hidschabträgerinnen Modebewusst sein können, die tun es aber eben auf ihre Art und Weise. Und unsere Schönheiten sind ohnehin unter dem Hidschab, da sollen andere ruhig neugierig sein. Wir zeigen es nur innerhalb der Familie.

MM: Was möchten sie Ihren gleichaltrigen Geschwistern in Deutschland sagen, jetzt haben Sie Gelegenheit dazu?

Mahmud: Ich habe ihnen viel zu sagen, aber ich versuche mich kurz zufassen:

Meine lieben Schwestern, ich bin auch eine Muslima, die mal zur Schule gegangen ist und weiß, welche Vorurteile und Probleme auf Schülerinnen die Hidschab tragen zukommen, auch auf Muslime, die nicht zur Schule gehen. Ich will dir sagen, halt dich an Allahs Seil fest, dann wird alles gut.

Als ich neu nach Deutschland kam, war ich allein, Gott sei Dank hatte ich meine Familie, die mich immer gestärkt hat und die mir immer gesagt hat, ich soll mich auf Gott verlassen, denn Er wird mir schon helfen. Ich habe mich immer an Gott gewandt und ihm um Rat gebeten. Und Er hat mir geholfen, denn innerhalb von nur drei Monaten konnte ich Deutsch verstehen und einigermaßen auch sprechen. Mir hat aber immer eine muslimische Freundin gefehlt, mit der ich auch einmal meine Religion stärken und gemeinsam Spaß haben konnte. Gott hat mir auch hier sehr geholfen, als ich in die 11. Klasse kam, lernte ich wunderbare Schwestern kennen, mit denen ich durch dick und dünn gegangen bin. Mit der Zeit lernte ich mehr wunderbare Schwestern, die mir sehr geholfen haben, nicht aufzugeben und immer Gott vor Augen zu haben. Mein Rat an dich, liebe Schwester, such dir auch einmal Freundinnen, mit denen du Qur'an lernen und Spaß haben kannst. Wie das geht ist ganz einfach, verlass dich auf Gott und Er wird dir die richtigen Freundinnen geben. Man muss aber auch von sich aus anfangen und nicht nur warten und bitten. Besuch Mädchengruppen, geh zum Freitagsgebet, ruf alte muslimische Freundinnen an und frisch deine Freundschaft mit ihr auf.

Lasst euch von Vorurteilen nicht leiten, verstärkt euren Iman (Glaubensüberzeugung). Sei aktiv in der Gesellschaft, z.B. haltet eure Schule und Umgebung sauber, denn glaub mir, jeder sieht in dir den Islam.

MM: Sehr geehrte Schwester Ala Mahmud, wir danken für das Interview.

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